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Das große Insektensterben - Andreas H. Segerer / Eva Rosenkranz

In Das große Insektensterben von Andreas H. Segerer und Eva Rosenkranz* beschäftigen sich die beiden Autoren mit der Rolle von Insekten im Ökosystem, den Gründen des Aussterben und Lösungsansätzen.

Andreas H. Segerer ist promovierter Biologe und Schmetterlingskundler an der Zoologischen Staatssammlung in München. Eva Rosenkranz ist Literaturwissenschaftlerin und Autorin. In ihrer Freizeit setzt sie sich für ihren Garten und den Naturschutz ein.


Das Buch ist in zwei Hälften aufgeteilt. Im ersten Teil geht Segerer auf Insekten im Allgemeinen ein, er erklärt, anhand welcher Eigenschaften Insekten definiert werden, wie sie leben und sich fortpflanzen. Dann stellt er wichtige Studien und Zahlen des Insektensterbens vor, wobei er vor allem die berühmte „Krefeld Studie“ in den Mittelpunkt stellt. Im darauffolgeden Kapitel erklärt, welche spürbaren Auswirkungen der Insektenschwund jetzt schon hat. Er beleuchtet die Hauptursachen des Sterbens und analysiert, wieso dagegen nichts unternommen wird. Der zweite Teil beleuchtet dann die Lösungsansätze und wird zum Großteil von Rosenkranz verfasst. Zunächst stellt Segerer einen Plan mit zehn politischen Maßnahmen vor, die umgesetzt werden müssten, um das Insektensterben zu bremsen. Dann erklärt Rosenkranz detailliert, wie man den heimischen Garten insektenfreundlicher gestalten kann und zeigt, dass der Kauf eines Insektenhotels im Baumarkt den Garten noch lange nicht zum Paradies für Insekten macht.. Anschließend geht sie auf die Landwirtschaft und positive Beispiele ein.

"Rund drei Viertel unserer Nutzpflanzen sind ausschließlich oder vornehmlich auf Insektenbestäubung angewiesen (manche Angaben sprechen sogar von 84%). Der wirtschaftliche Nutzen ist enorm: Bestäuben erzeugen weltweit Nahrungsmittel im Wert von mindestens 153 Milliarden Euro. In Deutschland ist die Honigbiene nach Rindern und Schweinen das ökonomisch drittwichtigste Nutztier.“

Das Buch überzeugt durch seine gute Struktur. Erst lernt man die heimischen Insekten kennen, dann geht es um deren dramatischen Rückgang, gefolgt von den Ursachen und den nötigen Maßnahmen, um diesen Trend zu stoppen. Beim Lesen hat man das Gefühl, dass das Buch eigentlich wegen der Fülle der Informationen platzen müsse. In jedem Kapitel gibt es nochmal interessante Infoboxen und viele Bilder, die das jeweilige Thema näher beleuchten. So werden dort beispielsweise die Arbeit von Entomologen vorgestellt, Steckbriefe exotischer Insekten eingebaut oder die in der Landwirtschaft eingesetzten Gifte diskutiert. Segerer baut dabei oftmals persönliche Berichte seiner Insektenforschung ein. Man merkt ihm die Hingabe für dieses Thema an.

Besonders gut hat mir der Ratgeber für einen insektenfreundlichen Garten gefallen. Solche Tipps findet man oft, aber nicht in dieser Ausführlichkeit. Rosenkranz geht umfangreich darauf ein, welche Pflanzen wann blühen und welche Insekten davon profitieren, sodass man möglichst vielen heimischen Arten ein Angebot machen kann. Sie macht sogar Vorschläge für die Gestaltung von insektenfreundlichen Blumenkästen und erklärt, wieso Insektenhotels einen Garten noch lange nicht naturnah machen. Auch ihre Vorschläge für die Landwirtschaft sind überzeugend. Ohne sich mit Forderungen nach der großen Agrarwende aufzuhalten, geht sie auf Maßnahmen ein, die jeder Landwirt ergreifen kann, ohne seine gesamte Betriebsweise umstellen zu müssen.


Ob ein gravierendes Insektensterben im Gange ist, die Frage stellt sich inzwischen nicht mehr. Es ist klar belegt, und darüber noch mit jenen Kräften zu debattieren, die es bis heute verneinen, ist reine Zeitverschwendung. Alle repräsentativen Studien in wissenschaftlichen Fachjournalen, alle kleinen Publikationen von Hobbysammlern in Vereinszeitschriften, alle Beobachtungen und Eindrücke von Biologen, Naturfreunden und sonstigen aufmerksamen Privatleuten zeigen ein übereinstimmendes Bild: Artbestände und Biomasse unserer Insekten sind im freien Fall, selbst Allerweltsarten bleiben davon nicht verschont.“

Ich empfehle dieses Buch allen, die die heimische Insektenwelt und ihre Situation besser kennenlernen wollen. Hier erfährt man leicht verständlich und trotzdem umfassend alles Wichtige dazu. Die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen werden auch sehr gut beleuchtet. Das allein würde schon für ein gutes Buch reichen. Der zweite Teil mit den sehr guten Vorschlägen für den eigenen Garten und die Landwirtschaft machen Das große Insektensterben* besonders!

Einen ähnlichen Themenschwerpunkt setzt Die Wiese von Jan Haft*. Wer also mehr über das spannende Zusammenspiel von Pflanzen und Insekten in unserer Natur erfahren möchte, dem empfehle ich auch dieses Buch. Hier geht es zu meiner Rezension.



Hier nochmal der Link zu Das große Insektensterben.*






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